Eric Hinzpeter
ARTIKEL· 19.02.2026· 8 min

Claude Sonnet vs. Opus: Welches Modell für welche Aufgabe

Ein Praxisvergleich von Sonnet, Opus und Fable im aktuellen Claude-Lineup: wann Sonnet reicht, wann Opus seinen Preis wert ist und wann Fable zu teuer ist.

Die Claude-Modellfamilie wächst schnell. Mit Sonnet 4.6 hat Anthropic Anfang 2026 die alte Aufteilung, Sonnet für den Alltag und Opus für anspruchsvolle Aufgaben, verschoben: Sonnet übernahm seitdem auch Coding- und Tool-Arbeit, für die vorher Opus nötig war.

Seitdem ist das Lineup weiter gewachsen. Am 9. Juni 2026 kam mit Fable 5 die neue Stufe oberhalb von Opus, am 30. Juni folgte Sonnet 5, am 24. Juli zog Opus 5 nach. Zeit für eine aktualisierte Bestandsaufnahme aus der Praxis.

Ich arbeite täglich mit Sonnet und Opus. Das Ergebnis meiner Erfahrung vorweg: Das teuerste Modell ist selten das richtige für den Job, und das neueste ist nicht automatisch das universell beste.

Die Modelle im Überblick

Das Lineup läuft inzwischen über fünf Stufen: Haiku, Sonnet, Opus, Fable und Mythos. Für die meisten Marketing- und Content-Aufgaben bleibt trotzdem die Sonnet-oder-Opus-Frage die, die im Alltag den Unterschied macht. Zu Fable mehr weiter unten.

ModellEinsatzbereich laut AnthropicKontextMax. AusgabePreis je Mio. Token (Input / Output)
Claude Sonnet 5Coding und Agenten im Alltag1M128K3 / 15 US-Dollar (Einführungspreis 2 / 10 bis 31.08.2026)
Claude Opus 5Komplexe agentische Coding- und Unternehmensarbeit1M128K5 / 25 US-Dollar
Claude Fable 5Anspruchsvollste Reasoning- und Langstrecken-Agenten-Aufgaben1M128K10 / 50 US-Dollar
Claude Haiku 4.5Schnelle, günstige Alltagsaufgaben200K64K1 / 5 US-Dollar

Quelle: Anthropics Preisübersicht, Stand 4. August 2026.

Claude Sonnet 5 ist das aktuelle Modell in der Mitte, seit dem 30. Juni 2026 verfügbar und Standardmodell im Free- und Pro-Plan. Laut Anthropics eigenem Launch-Post ist es ein deutlicher Sprung gegenüber Sonnet 4.6 bei Reasoning, Tool-Nutzung, Coding und Wissensarbeit und kommt bei manchen Aufgaben nah an Opus 4.8 heran. Am Preis hat sich nichts geändert: 3 US-Dollar pro Million Input- und 15 US-Dollar pro Million Output-Token, bis zum 31. August 2026 sogar zum Einführungspreis von 2 und 10 US-Dollar.

Claude Opus 5 ist das Power-Modell: langsamer als Sonnet, aber mit tieferen Reasoning-Fähigkeiten, seit dem 24. Juli 2026 verfügbar und neuer Standard im Max-Plan. Laut Anthropic kommt es nah an die Intelligenz von Fable 5 heran, zum halben Preis, und ist bei Coding- und Wissensarbeit-Benchmarks das neue Bestmodell in dieser Preisklasse. Am Preis hat sich nichts geändert: 5 US-Dollar pro Million Input- und 25 US-Dollar pro Million Output-Token, im schnelleren Fast Mode das Doppelte. Die ausführliche Einordnung des direkten Vorgängers steht in meinem Test zu Opus 4.8.

Was Sonnet 4.6 konkret besser kann

Mein erster größerer Test mit Sonnet 4.6, damals das aktuelle Modell der Mitte, war ein browserbasierter Bild-Converter mit Kompressionsfunktion für meine eigene Website. Komplett clientseitig, kein Server-Backend.

Was aufgefallen ist: Sonnet 4.6 hat das Tool schnell und sauber aufgebaut und dann auch eigenständig erweitert, ohne dass ich jeden einzelnen Schritt im Detail spezifizieren musste. Ich habe das Ziel beschrieben, das Modell hat die technischen Entscheidungen bei Dateiformat-Handling, Kompressionslogik und UI-Struktur sinnvoll getroffen.

Das ist ein anderes Verhalten als bei Sonnet 4.5. Bei dem musste ich für Coding-Aufgaben deutlich mehr Kontext liefern, um vergleichbare Ergebnisse zu bekommen. Laut Anthropics eigenem Modellvergleich erreicht Sonnet 4.6 in internen Benchmarks tatsächlich einen deutlich höheren Score als Sonnet 4.5, und Entwickler mit frühem Zugang bevorzugten das neue Modell laut Anthropic teils sogar gegenüber Opus 4.5.

Für Coding-Aufgaben bedeutet das: Wenn du kleinere Tools, Skripte oder browserseitige Anwendungen baust, besonders im Marketing-Kontext, wo du keine vollständige Entwicklungsumgebung aufbauen willst, war Sonnet 4.6 damals ein spürbarer Schritt nach vorne. Du konntest weniger Prompt-Engineering betreiben und trotzdem nutzbare Ergebnisse bekommen.

Das ist auch für Vibe Coding relevant: Marketer, die eigene kleine Tools bauen wollen, ohne Entwickler zu sein, profitierten damals von Sonnet 4.6. Ob der gleiche Sprung mit Sonnet 5 gilt, habe ich noch nicht selbst getestet, dazu gleich mehr.

Reicht Sonnet 4.6 noch, oder direkt Sonnet 5?

Sonnet 5 kostet identisch zu Sonnet 4.6, bis zum 31. August 2026 sogar günstiger durch den Einführungspreis von 2 und 10 US-Dollar pro Million Token. Das Preisargument für die ältere Version fällt damit komplett weg. Laut Anthropics eigenem Launch-Post ist Sonnet 5 zudem ein deutlicher Sprung gegenüber Sonnet 4.6 bei Reasoning, Tool-Nutzung, Coding und Wissensarbeit.

Selbst getestet habe ich Sonnet 5 noch nicht in einem eigenen Projekt wie damals den Bild-Converter mit Sonnet 4.6. Bei gleichem oder niedrigerem Preis und laut Anthropic besserer Performance gibt es für einen Neustart aber keinen Grund, bei der älteren Version zu bleiben.

Wer Sonnet 4.6 bereits in stabilen, getesteten Workflows laufen hat, etwa in n8n, bei API-Calls in Serie oder bei Batch-Verarbeitung, muss nicht sofort wechseln. Das Verhalten ist bekannt, die Integration läuft. Wer aber neu anfängt oder einen Workflow aufbaut, sollte direkt mit Sonnet 5 starten.

Wo Opus 4.8 bisher den Unterschied gemacht hat

Vier Situationen, in denen sich der höhere Preis für mich bisher gelohnt hat, alle noch mit Opus 4.8.

Komplexe Strategie-Aufgaben. Wenn du ein Marketing-Konzept entwickelst oder widersprüchliche Anforderungen abwägen musst: Opus 4.8 hält mehr Kontext gleichzeitig im Blick und erkennt Abhängigkeiten, die Sonnet-Modelle manchmal vereinfachen.

Langer Kontext mit vielen Variablen. Bei Aufgaben, bei denen du sehr lange Dokumente mitgibst und die Antwort von Details an verschiedenen Stellen abhängt, ist Opus 4.8 zuverlässiger. Das Modell verliert den Faden seltener.

Komplexe Prompt-Entwicklung. Wenn ich Prompts entwickle, die dann in Automatisierungen laufen, also Prompts, die für viele verschiedene Inputs funktionieren müssen, nutze ich Opus 4.8. Es denkt Kantenfälle besser durch und stellt inzwischen auch häufiger Rückfragen, bevor es loslegt, was unnötige Durchläufe spart.

Kreative Arbeit mit strategischem Anspruch. Für Artikel, bei denen Originalität und Perspektive zählen und nicht nur korrekte Information, liefert Opus 4.8 differenziertere Ergebnisse. Der Unterschied ist nicht dramatisch, aber spürbar.

Seit dem 24. Juli 2026 übernimmt Opus 5 diese Rolle, zum unveränderten Preis von 5 US-Dollar pro Million Input- und 25 US-Dollar pro Million Output-Token. Selbst getestet habe ich es dafür noch nicht, aber laut Anthropics eigenem Launch-Post kommt Opus 5 nah an die Intelligenz von Fable 5 heran, zum halben Preis, und ist bei Coding- und Wissensarbeit-Benchmarks das neue Bestmodell seiner Preisklasse. Meine Empfehlung für diese vier Situationen gilt jetzt für Opus 5.

Wo Fable 5 hinpasst (und meistens nicht)

Am 9. Juni 2026 hat Anthropic mit Claude Fable 5 das leistungsfähigste breit verfügbare Modell veröffentlicht, oberhalb von Opus im Lineup. Claude Mythos 5 ist laut Anthropic dasselbe Modell mit gelockerten Sicherheitsschranken, zunächst über Project Glasswing an ausgewählte Cybersicherheits-Partner der US-Regierung ausgerollt. Für die meisten von uns ist Fable damit die höchste Stufe, die sich überhaupt nutzen lässt. Der Preis spiegelt die Position: 10 US-Dollar pro Million Input- und 50 US-Dollar pro Million Output-Token, genau das Doppelte des Preises von Opus 5.

Wo sich das wirklich lohnt: bei mehrstündigen autonomen Agenten-Läufen, großen Codebase-Migrationen im Umfang von zehn Millionen Zeilen oder mehr, Aufgaben mit einem vollen Millionen-Token-Kontextfenster und komplexen Systemen, die im ersten Anlauf entstehen sollen. Laut Anthropics Launch-Ankündigung hat Stripe damit eine Migration eines 50-Millionen-Zeilen-Ruby-Codebase an einem Tag durchgeführt, für die ein ganzes Team sonst über zwei Monate gebraucht hätte.

Für den täglichen Content-Alltag, Browser-Tools, kleine Automatisierungen oder alles, wo du ohnehin nach jedem Schritt gegenprüfst, reicht Opus 5 völlig aus. Simon Willison hat am Launch-Tag rund 110 US-Dollar mit Fable 5 verbraucht, davon allein 99 US-Dollar für ein einziges Projekt. Der doppelte Preis ändert bei alltäglichen Aufgaben nichts am Ergebnis.

Meine praktische Antwort: Für den Alltag bleibe ich bei Opus 5. Passt eine konkrete Aufgabe zum Fable-Anwendungsfall, starte ich sie gezielt dafür, aber Fable wird bei mir kein Standardmodell. Die ausführliche Einordnung steht in meinem Test zu Fable 5.

Wie ich die Modelle aufteile

Kein Modell für alles, das Prinzip gilt weiterhin. Diese Aufteilung stammt noch aus der Zeit von Sonnet 4.5, Sonnet 4.6 und Opus 4.8, das Prinzip dahinter bleibt aber gültig:

Sonnet 4.5 lief bei mir für:

  • Automatisierte Schritte in n8n, etwa API-Calls in Serie
  • Strukturierung von Recherche-Ergebnissen
  • Social-Media-Drafts und E-Mail-Texte
  • Schnelle Zusammenfassungen und Klassifizierungen

Sonnet 4.6 setzte ich ein für:

  • Coding-Aufgaben und Tool-Entwicklung ohne detaillierte Spezifikationen
  • Vibe Coding, also schnelle, browserbasierte Tools bauen
  • Den ersten Artikel-Draft bei komplexeren Themen
  • Aufgaben, bei denen ich weniger Prompt-Overhead wollte

Opus 4.8 reservierte ich für:

  • Strategie-Diskussionen und Konzept-Entwicklung
  • Komplexe Prompt-Entwicklung für Automatisierungen
  • Code-Review und Workflow-Architektur
  • Alles, wo ich den vollen Kontext einer langen Konversation brauchte

Mit Sonnet 5 und Opus 5 gilt dieselbe Logik, nur zum gleichen Preis leistungsfähiger: Die Alltagsaufgaben der beiden alten Sonnet-Versionen wandern zu Sonnet 5, die anspruchsvollen Fälle bleiben bei Opus 5.

Mehr zu Skills und Sub-Agents, mit denen ich Claude Code inzwischen für genau solche Aufgaben einsetze, steht in meinem Erfahrungsbericht zu Claude-Code-Skills.

Was das für deine Modellwahl bedeutet

Die Frage ist nicht mehr nur „Sonnet oder Opus“, sondern welche Aufgabe welches Modell braucht und welche Stufe den höheren Preis überhaupt wert ist.

Wenn du mit Claude neu anfängst, ist Sonnet 5 der sinnvolle Einstieg. Es deckt mehr Aufgaben ab als die Vorgänger-Versionen und braucht laut Anthropic weniger Prompt-Engineering, bei niedrigerem oder gleichem Preis.

Willst du Coding-Aufgaben mit möglichst wenig Aufwand erledigen, also kleine Tools, Skripte, browserseitige Anwendungen: Für genau diese Aufgaben war Sonnet 4.6 bisher das zuverlässigste Modell, und Sonnet 5 legt laut Anthropics eigenen Benchmarks noch eine Stufe drauf.

Hast du Opus bisher für Coding-Tasks eingesetzt, weil dir die älteren Sonnet-Versionen dort nicht gereicht haben: Sonnet 5 ist einen Test wert. Es kommt laut Anthropic bei manchen Aufgaben nah an Opus 4.8 heran, bei einem Bruchteil des Opus-Preises. So reservierst du Opus 5 für die Aufgaben, die es wirklich braucht.

Wie du Kontext über mehrere Automatisierungsschritte sauber hältst, egal für welches Modell, beschreibe ich in meinem Beitrag zu Context Engineering. Der Wechsel zwischen Modellen ist kein Qualitätskompromiss, sondern Werkzeugdenken.

FAQ

Soll ich Claude Sonnet oder Opus nutzen?
Das hängt von der Aufgabe ab. Sonnet 5 erledigt die meisten Content- und Coding-Aufgaben schneller und günstiger, mit weniger Prompt-Detail. Opus 5 lohnt sich für Strategie, komplexe Prompt-Entwicklung, Code-Reviews und lange Kontexte mit vielen Variablen, wo das tiefere Reasoning den Preis wert ist.
Ist Sonnet 5 besser als Sonnet 4.6?
Laut Anthropics eigenen Benchmarks ja: gleicher Preis, bis 31. August 2026 sogar günstiger durch den Einführungstarif, und ein deutlicher Sprung bei Reasoning, Tool-Nutzung, Coding und Wissensarbeit. Läuft Sonnet 4.6 bereits stabil in einem Workflow wie n8n oder bei Batch-Verarbeitung, gibt es keinen Grund zur Eile, weil das Verhalten dort bekannt ist.
Lohnt sich Claude Fable 5 statt Opus 5?
Für die meisten Alltagsaufgaben nicht. Fable 5 ist für mehrstündige autonome Agenten-Läufe, Codebase-Migrationen im zweistelligen Millionen-Zeilen-Bereich und Aufgaben mit vollem Millionen-Token-Kontext gedacht. Für Content-Arbeit, Browser-Tools und normale Coding-Aufgaben liefert Opus 5 schon mehr als genug, bei der Hälfte des Preises.

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Porträt von Eric Hinzpeter

Eric Hinzpeter

Eric Hinzpeter, Senior B2B Content Strategist. Er baut KI-Agenten und Marketing-Automatisierung für den Produktivbetrieb und schreibt hier auf, was dabei herauskommt.

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